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Humabon hatte Schwierigkeiten mit Lapu-Lapu, einem seiner Vasallen. Magellan
wollte seinem Freund mit der Kampfkraft der Spanier imponieren und beschloß
nach Mactan zu segeln, der Cebu vorgelagerten Insel, auf der Lapu-Lapu
regierte, um ihn zu unterwerfen. Dort wurden die Spanier aber schon im
knietiefen Wasser angegriffen, so daß sie sich mit schweren Rüstungen
kaum bewegen bzw. wehren konnten. Die leichtbekleideten Filipinos griffen
die Spanier mit Speeren, Pfeil und Bogen und mit feuergehärteten
Stöcken an und besiegten sie entscheidend.
Lapu Lapu soll in dieser Schlacht Magellan mit dem Kampilan, einem speziellen
Schwert der Filipinos erschlagen haben. Lapu-Lapu gilt seither als der
erste Großmeister des Arnis, welches damals noch Pangamut hieß.
Nur ein Schiff der Spanier kehrte am 06.09.1522 wieder nach Spanien zurück
und vollendete damit eine für die Menschheit historische Reise: Die
erste anerkannte Umseglung der Welt. Drei weitere Eroberungsversuche scheiterten,
wobei Roi Lope de Villalobos, der im Jahre 1543 die Philippinen erreichte,
die Inselgruppe zu Ehren von Prinz Philip, dem späteren König
Philip II. "Filipina" nannte. Dieser König Philip II schickte
1559 Miguel Lopez de Legazpi mit einer Expedition mit 5 Schiffen zum philippinischen
Archipel, den er am 21.11.1564 erreichte. Durch umsichtiges und faires
Handeln den Eingeborenen gegenüber konnte Legazpi nach und nach die
Zentralphilippinen und die nördlichen Inseln unter spanische Herrschaft
bringen. Damit verdrängte er die Moslems, die schon seit ca. 150
Jahren den Islam zur Hauptreligion im Süden der Philippinen gemacht
hatten, von ihrem Sultanat "Maynila", dem späteren Manila.
Den Süden der Philippinen, Mindanao, konnte allerdings weder Legazpi
noch sonst eine Macht bis heute unter ihre Herrschaft bringen. Das lag
unter anderem an dem religiösen Wahn und der Kenntnis der philippinischen
Kampfkünste, mit denen die Moros (Moslems) ihre Widersacher terrorisierten.
In den von ihnen kontrollierten Gebieten fanden die Spanier erst Gefallen
an den Kampfkünsten der Filipinos, die ursprünglich nur von
Königen und Fürsten ausgeübt wurden, zur Zeit der spanischen
Besatzung aber schon weit verbreitet waren. Bald aber erkannten die Spanier
die Gefahr, die ihnen von den Kampfkünsten drohte, und so begannen
sie schon im Jahr 1596 Arnis unpopulär zu machen und verboten es
1764 ganz. Offizielle Begründung war, daß die Filipinos nur
noch trainierten und ihre Felder nicht mehr bestellten. Es kann aber vermutet
werden, daß es den Spaniern zu gefährlich wurde, in jedem Filipino
einen trainierten Schwertkämpfer vor sich zu haben. Arnis wurde im
Verborgenen weiter trainiert und die Techniken des Kampfes in Tanzbewegungen
(die Tänze heißen u.a. "moro-moro", "sayaw"
oder "sinulog") versteckt, so daß die Filipinos immer
dann, wenn sie für die Spanier auf Fiestas tanzen sollten, vor den
Augen ihrer Besatzer ihre Kampfkunst trainierten, ohne daß die Spanier
etwas davon ahnten. Gleichzeitig mit dem Verbot des Arnis wurden auch
die Bücher der Filipinos verbrannt und die Spanier versuchten auf
diese Art, das philippinische Alphabet und die philippinische Kultur zu
zerstören. Die Filipinos nähten daraufhin die Buchstaben ihres
Alphabets als Verzierungen auf ihre Kostüme und so konnten diese
Teile der philippinischen Kultur überleben.
Ende des 19. Jahrhunderts regte sich in den Filipinos Widerstand gegen
die jahrhundertlange Besatzung der Spanier und es formte sich eine Widerstandsbewegung
unter Mitwirkung von Dr. Jose Rizal und unter Führung von Andres
Bonifacio. Die Widerstandsbewegung hatte die Befreiung von den Spaniern
durch Revolution zum Ziel und hieß: "Ang Kataastaasan, Kagalanggalangang
Katipunan ng Anak ng Bayan", kurz "Katipunan" oder "Tripple
K". 1896 hatte die Katipunan schon ca. 100.000 bis 200.000 Mitglieder.
Nicht zuletzt durch die Kenntnisse in den philippinischen Kampfkünsten
konnten die Filipinos den Spaniern während der Revolution schwere
Verluste beibringen.
Durch den Untergang des auf Kuba stationierten amerikanischen Kriegsschiffes
"Maine" im Jahre 1898, der den Spaniern angelastet wurde und
bei dem 246 Männer getötet wurden, kam es zu dem spanisch-amerikanischen
Krieg. Die Amerikaner verbündeten sich mit der Katipunan und besiegten
die Spanier auf den Philippinen schnell. Da den Filipinos von den Amerikanern
die Unabhängigkeit versprochen worden war, erklärten sie die
Philippinen am 23.01.1899 zur Republik. Die Amerikaner ignorierten diese
Vorgänge, da sie die Philippinen von den im Krieg unterlegenen Spaniern
mit dem Vertrag von Paris am 10.12.1898 zum Preis von 200.000.000 US-Dollar
kauften. Die Amerikaner erklärten ihre Herrschaft über die Philippinen
ohne deren Selbständigkeit anzuerkennen. So begann am 04.02.1899
die philippinische Revolte gegen die Amerikaner. Dieser Krieg dauerte
4 Jahre, da die Amerikaner die Kampfkraft der Filipinos unterschätzten.
Besonders in Mindanao, wo sich die Filipinos seit jeher gegen die Fremdherrschaft
anderer Mächte aufgelehnt haben, bekamen die Amerikaner den Kampfeswillen
der Filipinos zu spüren. Ein Moslem, der einen Juramentado, einen
Amoklauf, antrat, rasierte sich den Schädel kahl und band sich ein
rotes Stirnband um den Kopf. Anschließend umwickelte er seine Hoden
mit einem nassen Stück Leder. Das Trocknen und Zusammenziehen des
Leders verursachte solche Schmerzen, daß er mit seinem Schwert amoklaufend
alles niedermetzelte, was sich ihm in den Weg stellte, bis er selbst getötet
wurde.
Ein historisch belegter Fall schildert den Amoklauf eines Filipinos,
der auf einen amerikanischen Hauptmann zustürzte. Dieser schoß
das ganze Magazin seiner Pistole Kaliber 38 in den Juramentado hinein,
dieser brach aber erst zusammen, nachdem er den Hauptmann enthauptet hatte.
Die amerikanische Spezialeinheit "Ledernacken" haben ihren
Namen durch ein Stück Leder bekommen, das sie sich auf ihren Patrouillen
durch den philippinischen Dschungel zum Schutz gegen Giftpfeile und Schwertangriffe
der Filipinos in den Nacken gebunden haben.
Nach 4 Jahren Krieg waren aber (bis auf die Moros) die letzten aufständischen
Filipinos besiegt und so normalisierte sich das Leben ab 1902 wieder.
Das änderte sich erst wieder, als die Japaner die Philippinen 10
Stunden nach Pearl Harbour angriffen und nun die Filipinos gemeinsam mit
den Amerikanern gegen die Japaner kämpften. Im Dschungelkampf fiel
den im Umgang mit Messern und Macheten perfekten Filipinos besondere Bedeutung
zu und sie fügten den Japanern dort schwere Verluste zu. Die Guerilla
Patrouillen bewegten sich immer in einer Dreiecksformation durch den Dschungel.
Der beste Mann war an der Spitze und hatte die Aufgabe, einen eventuellen
Angriff abzuwehren und den Angreifer kampfunfähig zu machen, wogegen
die beiden hinteren Männer den Feind ausschalteten. Nach dem 2. Weltkrieg
und der Erklärung der Unabhängigkeit der philippinischen Republik
am 04.07.1946 wollten die Filipinos die Zeit des Krieges vergessen, und
so wurde Arnis nicht mehr oder nur noch an enge Familienmitglieder weitergegeben.
Es gab von nun an keine Notwendigkeit mehr, Arnis zu beherrschen, um zu
überleben. Arnis wurde zu einer sterbenden Kunst. Es ist einigen
Männern wie den Presas-Brüdern oder dem Canete-Clan zu verdanken,
daß Arnis wieder geübt und gelehrt wird, nun aber weniger unter
dem Aspekt des Guerillakampfes, sondern mehr unter den Gedanken der Kampfkunst
und der Selbstverteidigung.
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